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Februarbücher: Elena Ferrante, Julia Zeh, Sarah Kuttner, Fatma Aydemir, Christian Kracht, Saša Stanišić

Februarbücher: Elena Ferrante, Julia Zeh, Sarah Kuttner, Fatma Aydemir, Christian Kracht, Saša Stanišić

Eine Ehefrau, die das wahre Ich ihres Mannes erkennt, eine 17-jährige, die von Berlin nach Istanbul flüchtet und ein Dorf, mit einem besonderen Geheimnis. Meine Februarbücher sind eine gute Mischung aus schnell gelesenen Büchern und welchen, die Nachhallen.

„Die Geschichte eines neuen Namens“ von Elena Ferrante

Verlag: Suhrkamp Verlag

Seitenzahl: 624

Preis: 25 Euro

Handlung: Das Buch ist der zweite Teil der Neapolitanischen Saga von Elena Ferrante und dreht sich um die Jugendzeit der beiden weiblichen Protagonisten Lila und Elena. Lila, frisch verheiratet, erkennt das wahre Gesicht ihres Mannes. Er macht Geschäfte mit den verhassten Solara-Brüdern und auch sein Verhalten ihr gegenüber verändert sich nach der Eheschließung.

Elena hingegen entwickelt sich zu einer Musterschülerin, die es sogar schafft, einen Studienplatz in Pisa zu ergattern. Doch was ist all ihre Mühe wert?

Leseeindruck: Die Leben der beiden jungen Frauen könnte unterschiedlicher kaum verlaufen, doch beiden geht es um Unabhängigkeit. Dafür müssen sie Opfer bringen, Menschen verlassen oder verletzen und Entscheidungen treffen.

Ein Buch für: Der zweite Teil hat  mir noch besser als der erste gefallen. Wer also „Wer-mit-wem“-Geschichten mag, sollte hier nicht zögern. Ich würde allerdings den ersten Teil zu erst lesen, dann versteht man die Verzweigungen der Personen besser. Der dritte Teil erscheint übrigens Anfang Mai.

„180° Meer“ von Sarah Kuttner

Verlag: S. Fischer

Seitenzahl: 272

Preis: 9,99 Euro

Handlung: Im Mittelpunkt der Geschichte steht Jule. Ihre Vergangenheit: Der Vater hat die Familie früh verlassen, die Mutter wurde depressiv. Ihre Gegenwart: Sie ist wütend. Auf ihre Mutter unf auf ihren Vater. Als Sängerin verdient sie ihr Geld, ist von den Anrufen der Mutter genervt und beschließt zu flüchten, als auch ihre Beziehung anfängt zu kriseln. Es verschlägt sich nach London zu ihrem Bruder. Doch statt sich auf die Zukunft zu besinnen, wird sie mit ihrer Vergangenheit konfrontiert. Denn sie trifft auf ihren Vater, der im Sterben liegt.

Leseeindruck: Wer den Humor von Sarah Kuttner mag, wird auch dieses Buch mögen. Denn ihre Art macht das Buch unverwechselbar. Es ist witzig und  leicht geschrieben – dabei ist es bei dem Thema nicht unbedingt leicht. Es geht nicht nur um das Verhältnis zu seinen eigenen Eltern, sondern auch um die Ansprüche an sich selbst.

Ein Buch für: Das Buch ist trotz der weiblichen Hauptfigur und einer Autorin auch etwas für männliche Leser. Es ist gefühlvoll geschrieben, mit einer guten Portion Witz.

„Ellbogen“ von Fatma Aydemir

Fatma Aydemir: Ellbogen

Verlag: Carl Hanser Verlag GmbH & Co. KG

Seitenzahl: 272

Preis: 20 Euro

Handlung: Die 17-jährige Hazel, deren Eltern aus der Türkei nach Deutschland kamen, lebt in Berlin. Ein geklauter Lippenstift und Gewalttätigkeit zwingen sie jedoch zur Flucht nach Istanbul – zu einer Internetbekanntschaft. Und damit beginnt die Suche nach Heimat.

Leseeindruck: Am Anfang kam ich nicht so richtig rein in das Buch. Ich habe die Jugendsprache als sehr aufgesetzt empfunden. Doch nach 100 Seiten war ich drin und gefesselt.

Ein Buch für: Das Buch ist emotional und politisch. Es liest sich schnell, hallt jedoch nach. Wer eine mitreißende Geschichte sucht, sollte zu diesem Buch greifen.

„Unterleuten“ von Julia Zeh

Verlag: Luchterhand Literaturverlag

Seitenzahl: 640

Preis: 24,99 Euro

Handlung: In dem Gesellschaftsroman geht es um das Dorf Unterleuten und den Bewohnern. Auf den ersten Blick scheint alles in Ordnung zu sein, doch die brandenburgische Idylle täuscht. Zwischen den neu hinzugezogenen Berlinern und den älteren Dorfbewohnern gibt es Unstimmigkeiten. Grund ist auch ein geplanter Windpark. Und auf einmal geht es auch um Konflikte, die schon viele Jahre zurückliegen.

Leseeindruck: Der Roman ist toll geschrieben, da stört auch die Länge nicht. Im Gegenteil: Die einzelnen Dorfbewohner haben spannende Biographien. Julia Zeh erzeugt eine Spannung, indem sie diese in einzelnen Kapiteln vorstellt. Erst im Laufe des Romans werden die Verbindungen deutlich.

Ein Buch für: Das Buch ist gesellschaftskritisch, politisch und witzig. Es ist kein Buch für nebenbei, aber wenn man es erst einmal anfängt zu lesen, wird man es eh kaum aus den Händen legen können.

„Die Toten“ von Christian Kracht

Christian Kracht: Die Toten

Verlag: Kiepenheuer & Wisch

Seitenzahl: 224

Preis: 20 Euro

Handlung: Das Buch spielt Anfang der 30er Jahre in der Filmindustrie, mal in Tokio, mal in Berlin. Der Beginn ist nichts für schwache Nerven – ein Selbstmord, den Kracht sehr detailliert beschreibt. Im Folgenden geht es um einen Regisseur aus der Schweiz und einen japanischen Kulturbeamten. Letzterer will mit einem deutschen Film gegen den Tonfilm aus den USA ankommen.

Leseeindruck: Ich kenne mich wieder in der japanischen Kunst noch in der Filmindustrie besonders gut aus. Auf unwissende Leser nimmt Kracht jedoch keinen Eindruck und nutzt japanische Wörter, ohne sie zu erklären.

Ein Buch für: Ein tolles Buch mit maximaler Lesefreude. Auch, weil Kracht eine originelle Geschichte zu einer spannenden Zeit gewählt hat. Sollte jeder gelesen haben.

„Vor dem Fest“ von Saša Stanišić

Verlag: btb Verlag

Seitenzahl: 320

Preis: 9,99 Euro

Handlung: Das Buch dreht sich um die Nacht vor dem Fest im uckermärkischen Fürstenfelde. Viele einzelne Personen und ihre Geschichte fügen sich so zu einem Dorfporträt zusammen. Da gibt es den toten Fährmann, ein Glöckner und sein Lehrling, die die Glocken suchen und Herr Schramm, ein ehemaliger Oberst der NVA.

Leseeindruck: Die einzelnen Personen sind interessant und sprachlich sehr anschaulich beschrieben. Das Lesen macht Spaß, denn durch die einzelnen Puzzleteile bekommt man einen guten Eindruck vom Dorf. Jedoch habe ich zum Ende ein Zusammentreffen der vorher eingeführten Personen erwartet – den Beginn des Festes zum Beispiel. Es gibt keine geschlossene Handlung. Das muss aber kein Minuspunkt sein. Meine Erwartung war nur eine andere.

Ein Buch für: Wer sprachlich gute und atmosphärische Bücher mag, macht mit „Vor dem Fest“ nichts verkehrt. Jedoch sollte man bedenken, dass es keine klassische Geschichte im Aufbau ist. Lesenswert ist das Buch aber trotzdem oder gerade deshalb.

 



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