hier wird gemotzt und gel(i)ebt

Dezemberbücher: Nathan Hill, Erika Krouse, Brook Davis, Roger Willemsen

Dezemberbücher: Nathan Hill, Erika Krouse, Brook Davis, Roger Willemsen

 

dez_buecher

Auch diesen Monat möchte ich euch wieder die Bücher vorstellen, die ich in den letzten vier Wochen gelesen habe. Im Mittelpunkt stehen eine Streetfighterin, die ihr Herz entdeckt, ein sieben Jahre altes Mädchen, die zwei alten Menschen das Leben zeigt, ein 34-jähriger Literaturprofessor, der mit der lügenhaften Vergangenheit seiner Mutter konfrontiert wird und die letzte Rede von Roger Willemsen. Es dürfte also für jeden etwas dabei sein. 

„Fight Girl“ von Erika Krouse

"Fight Girl" von Erika Krouse

Verlag: Blumenbar

Seitenzahl: 304

Preis: 20,00 Euro

Handlung: Nina Black ist schnell, taff und skrupellos. Als Streetfighterin erhebt sie in Denver ihre Fäuste gegen Männer und klaut deren Geldbörsen. Ninas einzige Regel: Verprügel keinen Mann, mit den du Sex haben würdest. Ärger droht trotzdem, als sie einen Polizisten und ehemaligen Streetfighter ausraubt. Ihr Leben ist in Gefahr, denn Cage ist zu allem fähig. Also sucht sie ihren alten Lehrer auf – für den finalen Kampf. Doch auch ihre alte Liebe tritt wieder in ihr gesetzloses Leben, mit ihrer 8 Jahre alten Nichte, für die sie die Vormundschaft übernehmen soll. Sie, die bisher eher Fäuste statt Worte sprechen lässt.

Leseeindruck: Der Roman ist dunkel und voller Gewalt und doch auch romantisch und voller Fürsorge. Den Spagat schaffen wohl nur wenige Autoren, Krouse ist dieser gelungen. Trotzdem funktioniert für mich die Handlung eher als Film statt als Buch.

Ein Buch für: Wer auf Kampfszenen steht und kein Problem mit Gewalt hat, darf beherzt zu diesem Buch greifen. Denn trotzdem fehlt es nicht an zwischenmenschlichen Beziehungen.

„Noch so eine Tatsache über die Welt“ von Brook Davis

"Noch so eine Tatsache über die Welt" von Brooke Davis

Verlag: Ullstein Taschenbuch

Seitenzahl: 288

Preis: 10,00

Inhalt: Drei Personen, die unterschiedlicher nicht sein können, haben eine Gemeinsamkeit: Sie haben jemanden verloren. Millie ist sieben Jahre alt und fängt nach dem Tod ihres Hundes an, ein Buch über tote Dinge in ihrem Leben zu führen. Leider muss sie auch ihren Papa dort eintragen. Doch das sind nicht die einzigen Sachen und Menschen, die sie verliert. Ihre Mama lässt sie eines Tages im Einkaufszentrum zurück. Karl (87 Jahre alt) hat seine Frau verloren und haut aus dem Pflegeheim ab, in das sein Sohn ihn nach dem Tod gebracht hat. Wohin? Erst mal ins Einkaufszentrum. Und dann gibt es da noch Agatha, 82 Jahre alt. Seit ihr Mann verstorben ist, hat sie die Wohnung nicht mehr verlassen. Drei Menschen, drei Leben. Und doch führt das Schicksal sie zusammen und auf eine gemeinsame abenteuerliche Reise.

Leseeindruck: Ein so rührendes Buch ohne zu viel Kitsch mit einer erfrischenden Schreibart. Es liest sich leicht weg, bringt einem zum Schmunzeln, aber auch zum Nachdenken.

Ein Buch für: Wer gerne Lebens- und Liebesgeschichten liest, dürfte an diesem Buch Freude haben.

„Geister“ von Nathan Hill

20161227_102135

Verlag: Piper

Seitenzahl: 864

Preis: 25,00

Inhalt: Samuel Anderson ist Englischprofessor, der Literatur unterricht, Bücher schreibt bzw schreiben will und sich einmal die Woche in der virtuellen Welt von Elfen verliert. Sein Leben ist langweilig – bis ihn eines Tages ein Anwalt kontaktiert. Der Grund: Seine Mutter hat den Präsidentschaftskandidaten Sheldon Packer attackiert. Nun soll er einen Brief an den Richter schreiben, damit das Urteil nicht allzu hart ausfällt. Das Problem: Seine Mutter verließ ihn, als Samuel noch ein Kind war und hinterließ damit viele Fragen und eine große Lücke. Für ihn beginnt nun nicht nur eine Reise in seine Vergangenheit, sondern auch in die seiner Mutter. Und die ist voller Lügen und Geheimnisse. Wird er die Wahrheit heraus finden?

Leseeindruck: Der Roman ist beeindruckend, fesselnd und trotz des Umfangs kaum aus der Hand zu legen. Die Familiengeschichte ist aber nicht kitschig, sondern beeindruckend – psychologisch spannend, voller Wendungen und mit viel Atmosphäre erzählt.

Ein Buch für: Ein starker Wälzer an den sich auch Nicht-Leseratten trauen dürfen. Die Handlung ist originell und durch die Sprache hebt sich Hill von vielen Autoren ab.

Ich möchte euch noch von der App „Papego“berichten. Der Piper-Verlag bietet ihren Lesern bei einigen Büchern die Möglichkeit, das Buch auf dem Handy weiterzulesen. Man fotografiert einfach die Seite, bei der man gerade angekommen ist und die App sucht einem dann die Stelle im Buch raus, lädt 25 Prozent der folgenden Seiten und man kann super unterwegs weiterlesen.

„Wer wir waren“ von Roger Willemsen

20161230_183426

Verlag: S. Fischer

Seitenzahl: 64

Preis: 12,00

Inhalt: Roger Willemsen wollte ein Buch mit dem Titel „Wer wir waren“ schreiben. Als er aber von seiner Krebserkrankung erfuhr, legte er den Stift für immer nieder. Allerdings hatte er bereits ein paar Ideen im Kopf und die trug er bei seiner letzten öffentlichen Rede 2015 vor. Wenige Monate nach seinem Tod ist nun das Rede-Manuskript veröffentlicht worden. Was er wollte? Das wir umdenken. Was war? Was ist? Was wird? Willemsen rügt die Verantwortungslosigkeit der Menschen, die Schnelllebigkeit, der wir uns hingeben und das wirklich Wichtige in den Hintergrund drängt. Sein Wunsch: Wir sollen uns nicht vom Konsum blenden lassen.

Leseeindruck: Es ist eine beeindruckende Rede, die den Ist-Zustand in Frage stellt. Er mahnt uns Menschen nicht nur die ökonomische Bilanz im Auge zu haben und das Kreative dabei hinten anzustellen. So dünn das Buch, so dicht die Gedankengänge. So kühl die Beschreibungen stellenweise, so emotional seine Appelle.

Meine Lieblingzitate: „Das Auto hat keine Zukunft. Ich setze auf das Pferd.“ Kaiser Wilhelm II. (1904)

„Die weltweite Nachfrage nach Kraftfahrzeugen wird eine Million nicht überschreiten – allein schon aus Mangel an verfügbaren Chauffeuren.“ Gottlieb Daimler (1901)

„Flugzeuge sind interessant, haben aber keinerlei militärische Werte.“ Ferdinand Foch (1911)

„Ich denke, dass es einen Weltmarkt für vielleicht fünf Computer gibt.“ Thomas Watson (1943)

„Das Internet wird wie eine spektakuläre Supernova im Jahre 1996 in einem katastrophalen Kollaps untergehen.“ Ken Olsen (1977)

Ein Buch für: Es ist ein Buch für zwischendurch – weil es kurz ist. Es ist ein Buch für lange – weil es so voller Gedanken ist, die nachwirken.



2 thoughts on “Dezemberbücher: Nathan Hill, Erika Krouse, Brook Davis, Roger Willemsen”

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*