hier wird gemotzt und gel(i)ebt

DIY-Wahn unter Müttern

Die Wintermütze mit passender Jacke, der Kuchen für den Geburtstag, die Spielküche, das Kuscheltier – es gibt kaum etwas, was wir Mütter nicht selber häkeln, nähen, stricken oder backen. Ich will mich da gar nicht ausschließen. Während der ersten Elternzeit habe ich mir eine Nähmaschine gekauft, jetzt in der zweiten kam die Overlock hinzu.

Als ich aber zum Laternenumzug meiner Großen in der Kita war, staunte ich nicht schlecht. Da wurden teilweise nicht einfach nur Laternen getragen, nein das waren Kunstwerke. Ich sah die Mütter quasi vor mir, wie sie stundenlang schnippelten, klebten und wahrscheinlich auch fluchten.

Doch wofür? Dafür, dass das Kind im Dunkeln (!) 30 Minuten damit durch die Gegend rennt? Nein, nicht mit mir.

Melina hatte auch eine selbst gebastelte Laterne, aber sie war von ihr beklebt und angemalt. In meinen Augen war sie perfekt, die DIY-Wahn-Mütter würden das wahrscheinlich anders sehen.

Aber genau darin sehe ich das Problem: Die Kinderzimmer sind zunehmend durchgestylt – viele setzen gar Farbkonzepte um. Klar, jeder überlegt sich, was zusammenpasst und wie was aussieht. Aber im Vordergrund sollte doch stehen: Wie kann mein Kind am besten spielen?

Ich habe das Gefühl, es ist zunehmend ein Wettbewerb: Wer hat die süßesten Kombinationen von Zara und wer die tollsten Spielsachen gekauft.

Hier werden auch einfach mal leere Taschentuchpackungen mit Dingen gefüllt. In der Spielküche (bei Tchibo gekauft) wird mit Kastanien gekocht. Und unser Kindersitz im Auto hat keinen selbstgenähten Überzug.

Glücklich werden die DIY-Wahn-Mütter wahrscheinlich erst, wenn sie auch ihre Kinder selber backen und mit Glitzer dekorieren können. Oder ist Glitzer schon wieder out?



0 thoughts on “DIY-Wahn unter Müttern”

  • Diese DIY-Mütter kenne ich auch. Und bin selber der komplette Gegenentwurf, quasi die Anti-DIY-Mutter 😉

    Ich bewundere es, wenn andere Mütter Zeit, Energie, Kreativität und das Können haben, Dinge selber für ihr Kind zu machen.Bei manchen bekomme ich manchmal aber das Gefühl, dass es vielmehr um Selbstdarstellung geht und nicht um das Ausleben der Kreativität. Und frage mich manchmal, ob manche dieser „Projekte“ nicht auch mit Hilfe des Kindes umgesetzt werden können? Die Laterne nicht ein Kunstwerk der Fingerfertigkeit ist, dafür ein Beweis für die gemeinsam verbrachte Zeit. (Klar Nähen geht jetzt wirklich nicht mit Kinder, außer mit großen vielleicht)

    DIY gibt es bei mir höchstens auf dem Teller. Selbst gekocht. Nicht verkleidet als Marienkäfer oder Hase. Sondern Essen halt. 😉

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