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Faktencheck – konventionelle oder Bio-Milch?

Faktencheck – konventionelle oder Bio-Milch?

Ratet mal, wie viel Milch ein Bürger im Jahr trinkt? Auf Twitter und Facebook habe ich diese Frage ebenfalls gestellt. Mögliche Antworten waren:

  1. etwa 25 Liter
  2. etwa 55 Liter
  3. etwa 85 Liter
  4. etwa 115 Liter

Die Mehrheit hat sich für 85 Liter entschieden. Laut kuhplusdu.de sind es 55 Liter – ohne Joghurt, Käse und anderen Milchprodukten. Damit hat sich die Milchproduktion pro Kuh in den letzten Jahrzehnten fast verdoppelt. In Hochphasen gibt eine Kuh nun bis zu 50 Liter am Tag.

Wir verbrauchen in der Woche bis zu 5 Liter. Wichtig ist mir, dass wir nicht länger konventionelle Milch konsumieren. Über die Suche nach Alternativen habe ich auf Instagram in den Storys berichtet und so viel Feedback erhalten, dass ich nun meine wichtigsten “Erkenntnisse”/Infos hier zum Nachlesen aufschreibe.

Kuhmilch vs konventionelle Milch

Zweite Frage, auf die ich bis vor ein paar Tagen auch noch keine Antwort wusste: Wisst ihr, unter welchen Bedingungen eine Kuh am besten Milch gibt? Sie muss ein mal im Jahr ein Kalb gebären. Dieses wird ihr in der Regel kurz nach der Geburt entrissen und mit Ersatzmilch groß gezogen.  Die eigentlich für sie bestimmte Milch wird dann für den Verkauf genutzt.

Dieses Vorgehen ist rechtens, möchten der Beste und ich aber nicht länger unterstützen. Denn es gibt einige Höfe, die auf muttergebundene Kälberaufzucht umgestiegen sind. Studien zeigen die Vorteile: besseres soziales Verhalten, aktiver und die Bindung zum Muttertier wird ermöglicht.

Die dritte Möglichkeit liegt dazwischen: Ammenhaltung. Eine Mutterkuh versorgt zwei bis vier Kälber.

So haben wir uns zu allererst nach Höfen in unserer Umgebung umgeschaut, die eine muttergebundene Aufzucht anbieten. Hier findet ihr eine Liste oder schaut mal auf der Karte.

Eine weitere Alternative zu konventionellen Milchmarken könnte man auf Wochenmärkte finden, auf denen Bauern ihre Produkte anbieten. Bedenkt aber bitte, dass Produkte aus der Region nicht gleich Bio-Qualität haben müssen. Eine weitere Alternative: Bio-Produkte aus dem Supermarkt. Doch wo sind die Unterschiede bei der Milch?

Kuhhaltung – Bio vs. konventionell

Bei konventionellen Milchmarken ist nicht nachvollziehbar, wie die Tiere gehalten werden. Dürfen sie auf die Weide? Laut kuhplusdu.de geht der Trend zur Stallhaltung – also wider der Natur: kein Auslauf oder unterschiedliche Lichtverhältnisse.

Auch beim Futter gibt es Unterschiede: Kraftfutter und Silage (Gärfutter) statt Heu und frisches Gras. Die Kraftfuttermenge ist bei Bio-Kühen geringer – auch wenn damit die Produktivität sinkt.

Ein weiterer Unterschied: Bei der konventionellen Kuhhaltung wird den Kälbern meist nach wenigen Wochen die Hörneransätze herausgebrannt, nicht immer unter Betäubung. Bauern, die einen Bio-Siegel haben, brauchen dafür jedoch eine Ausnahmegenehmigung und dürften es dann auch nur mit Betäubung machen.

Kuhmilch vs konventionelle Milch

Wer mehr Geld für Bio-Milch ausgibt, kann sich dank des europäischen und deutschen Bio-Siegels sicher sein, dass das Geld bei den Kühne ankommt: besseres Essen, Auslauf im Freien, keine schmerzhafte Enthornung. Was es allerdings nicht gibt: eine muttergebundene Kälberzucht.

Überblick – Wie gut ist die Kuhhaltung bei welchem Anbieter?

Wer sich durch einen Besuch auf dem Bauernhof nicht selbst ein Bild von der Kuhhaltung machen kann, findet vielleicht hier hilfreiche Angaben.

Kuhplusdu.de hat unter Berücksichtigung verschiedener Indikatoren (Stallhaltung, Futterqualität, Enthornung und Kalbaufzucht) eine Rangliste erstellt.

Die besten Bio-Marken sind demnach:

Berchtesgadener Land
Bio-Alpenmilch
dennree
Gläserne Molkerei
Ökodorf Brodowin
Schrozberger Milchbauern
Söbbeke

Auf Platz zwei folgen:

Frischmilch von Alnatura
Andechser Natur
Gläserne Molkerei
Schwarzwaldmilch
Freiburg Frische Bio-Milch
Upländer Bauern Molkerei
Von hier Bio-Milch (Feneberg)

Die konventionellen Milchmarken schneiden alle schlecht ab.

Gibt es Alternativen zur Kuhmilch?

Schaut man in die Regale der Supermärkte muss die Antwort eindeutig ja heißen. Ob mit Hafer, Soja oder Mandeln, die Auswahl ist groß.  Doch auch da gibt es einiges zu beachten.

Die Mandelgewinnung zum Beispiel bringt einen hohen Wasserverbrauch mit sich. Für eine Mandel werden 3 bis 4 Liter Wasser gebraucht. Für Regionen wie Kalifornien, die vier Fünftel der Weltproduktion liefert, bedeutet das Wasserknappheit.

Auch der Anbau von Soja ist umstritten. Doch bevor jetzt alle auf die Vegetarier und Veganer schimpfen – 80 Prozent der Soja-Importe landen im Tierfutter. Brasilien und die USA sind die größten Lieferanten. Die Anbauflächen werden vergrößert, die Pflanzen mit Gentechnik resistent gemacht gegen Pestizide.

In der EU sind gentechnisch veränderte Sojabohnen allerdings verboten. Achtet also beim Kauf auf das Herkunftsland und das Bio-Siegel. Soja, welches für den menschlichen Verzehr gedacht ist, kommt aus China, Frankreich, Österreich und Kanada. Auf niemblog könnt ihr ein einer Tabelle sehen, welche Marke von wo das Soja bezieht.

Bei Alternativen mit Hafer oder Reis entscheidet der Geschmack. Haferdrink schmeckt recht süß und nehme ich gerne für den Kaffee. Die Milchalternative mit Reis hingegen bekomme ich nicht runter.

Fazit

Eine muttergebundene Kälberzucht können wir im Alltag nicht konsequent unterstützen. Alternativ werden wir aber auch Bio-Milch umsteigen – besonders für die Kinder. Der Beste und ich werden zudem Alternativen mit Soja und Hafer trinken. Ein Ergebnis, welches mich nicht zu 100 Prozent glücklich stimmt.

Wie trinkt ihr eure Milch? In Bio-Qualität oder ohne groß drüber nach zu denken?

Ich bin gespannt, Eure Jette!

Kuhmilch vs konventionelle Milch



11 thoughts on “Faktencheck – konventionelle oder Bio-Milch?”

  • Hi!
    Finde super toll, dass du dich damit auseinandersetzt und nicht direkt darauf pochst, dass alle vegan werden müssen.
    Ich kaufe schon lange ausschließlich bio-milch (diese muss auch noch laktosefrei sein, da ich einen intoleranten Mann zuhause habe). Natürlich ist das ganze oft super teuer. Ich kaufe auch Nur regionale bio Eier und bei Fleisch kaufe ich zumindest bio wenn es für mich ist. Mein Freund interessiert sich da nicht so für. Ich bin Studentin und habe keine Mengen an Geld zum ausgeben, Das ist es mir jedoch wert! Danke für deinen Artikel:)

    • Am wichtigsten finde ich, dass es zu einem passt. Momentan wäre vegan leben ein richtiger Kampf für mich. Die kleinen Schritten jedoch mache ich wie du: aus Überzeugung und um ehrlich zu sein, auch weil Fleisch schmeckt 😉 Danke für dein Feedback. Liebe Grüße Jette

  • Hey Jette,
    eine schöne Auflistung der Alternatven und vielen Dank für die Infos, die einem im Alltag viel zu wenig bewusst sind.
    Wir trinken lactosefreie Milch und da fehlt mir oft die Wahl oder es braucht extra Wege. Auf Dauer würde ich hier gerne bewusster einkaufen.
    Fleisch kaufen wir soweit es geht Bio, Aufschnitt haben wir auf ein Minimum reduziert, Vegatrisch oder gar vegan wäre keine Alternative.
    Mich stört vor allem der Überfluss der uns umgibt. In den Einkaufszentren liegen den ganzen Tag Unmengen an zubereitetem Fingerfood, Samstags um 18Uhr hat man die volle Auswahl. Im Supermarkt hat man Montag Mittag die Auswahl zwischen 10 eingelegten Fleischsorten zum Grillen. Wie lange hält sich das, wie schnell muss es verbraucht werden frage ich mich. Ist das Fleisch das ich morgen dort sehe frisches oder von Montag, weil Anfang Februar der Bedarf von frischem eingelegten Grillfleisch eigentlich sehr gering sein dürfte…
    Wir kaufen wenn es irgendwie geht nur nach Essensplan ein, haben inzwischen ein gutes Gefühl für die Mengen. Machen alle zwei Wochen einen Großeinkauf und gehen dazwischen alle 3-4 Tage frisches einkaufen.
    LG und genießt die tolle Sonne

    • Wow, ihr seid ja super organisiert. Das sind wir hier gar nicht. Ich koche wonach Kinder und ich Lust haben. Notfalls halt Reste oder was weg muss. Du siehst, da ist auch noch Potenzial 🙂 Ich glaube, wir werden nie alles richtig machen, aber so wie du schreibst, wir wollen bewusst essen und trinken und nachhaltiger leben. Ich denke, der Anfang ist gemacht. Am meisten stört mich unser Plastikmüll – eindeutig zu viel. Ganz liebe Grüße zurück.

  • Kein Lebewesen braucht die Muttermilch einer anderen Art. Wenn Ihr alle umsteigen wollt auf Ammenhaltung usw., wie soll das von der Menge her gehen? Bei den Biomarken (eine kenne ich gut), werden die Tiere genau sogequält. Enthornen (außer Demeter), Trennung von Mutter und KInd (Biobäuerin: “möglichst schnell, der Schmerz ist sonst noch größer.”) und das Verramschen der Kälber, die ja nicht gebraucht werden. https://www.zdf.de/…/37-geheimsache-tiertransporte-100… Vandana Shiva nennt es ein Verbrechen und ich sehe es genau so.

    • Ja, da stimme ich dir zu. Deshalb habe ich ja auch geschrieben, dass selbst die Alternative Bio-Milch nicht die Beste bzw die von mir erhoffte ist.

  • “Doch bevor jetzt alle auf die Vegetarier und Veganer schimpfen – 80 Prozent der Soja-Importe landen im Tierfutter. Brasilien und die USA sind die größten Lieferanten. Die Anbauflächen werden vergrößert, die Pflanzen mit Gentechnik resistent gemacht gegen Pestizide.” Wieso ist aufklären, falsche Infos berichtigen schimpfen? 🙂 https://www.welt.de/wirtschaft/article130331317/Das-ist-ein-programmierter-Genozid.html Vandana Shiva nennt unsere Tierhaltung ein Verbrechen. Nur weil es schmeckt rechtfertigt kein Verbrechen. 🙁

    • Ich denke, du weißt wie das “schimpfen” gemeint ist. Viele denken, dass das Soja nur für Veganer und Vegetarier angebaut wird. Dabei geht der Großteil ins Tierfutter. Ich habe auch explizit geschrieben, welches Soja ins Tierfutter und welches in die Ersatzprodukte kommt. Außerdem habe ich mit keinem Wort geschrieben, dass ich die Tierhaltung super finde oder befürworte. Ich habe lediglich die Unterschiede deutlich gemacht und auch auf die Schwächen bei Bioprodukten hingewiesen.

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