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Motzmittwoch: Liebe Gesellschaft, wir haben ein Problem!

Motzmittwoch: Liebe Gesellschaft, wir haben ein Problem!

Manchmal frage ich mich, in was für einer Gesellschaft wir eigentlich leben und leben wollen. Der Alltag gab mir vor ein paar Tagen eine Antwort, auf die mir nur ein Wort einfällt: ernsthaft?

Aber zuerst zur Geschichte: Ich fahre mit Bosse und Freddie Fahrstuhl. An der Tür steht Freddie, dann kommt der Fahrradanhänger mit Bosse drin und dann folge ich. Die Tür öffnet sich, doch statt auszusteigen schreit Freddie. Ich gucke hin und schreie ebenfalls. Er hatte seine Hand auf die aufgehende Tür gelegt und diese war nun eingeklemmt, nahezu komplett weg. Ein Schockmoment. Ich schaffe es panisch den Anhänger soweit raus zu schieben, dass ich bei Freddie bin, ihn mit Worten, die mir aber entfallen sind, zu beruhigen und langsam die Hand rauszuziehen.

Ich zittere, er weint weiter. Vor mir stehen eine handvoll älterer Leute, die in den Fahrstuhl wollen. Ich mache Platz, kümmere mich aber weiter erst mal nur um Freddie. Als ich merke, dass das Weinen ruhiger wird, bitte ich ihn seine Hand zu einer Faust zu machen. Es geht. Auch äußerlich sind keine Verletzungen zu sehen. Glück gehabt! Ich werde ruhiger, bin wieder fähig mein Umfeld wahrzunehmen und höre diesen einen Satz: „Da muss man als Mutter eben besser aufpassen!“

Priorität: Schuldfrage

Ernsthaft? Liebe Gesellschaft, wir haben ein Problem. Wir haben ein Problem, weil in einer noch unklaren Situation, eher die Schuldfrage gestellt wird, statt die „Kann ich Ihnen helfen“-Frage. Gesellschaft, du bist krank und empathielos. Wie weit ist es mit dir gekommen, dass gaffen und urteilen die ersten Reaktionen sind?

Ich war traurig und wütend – ja auch über mich. Ich hätte gucken müssen, es hätte nicht passieren dürfen. Aber es ist passiert und ich hätte mir mehr von dir erhofft Gesellschaft.

Was ich der Gruppe an älteren Leuten entgegnete? Da sich die Fahrstuhltür schon schloss, zeigte ich ihnen einen Vogel. Was ich ihnen gerne gesagt hätte?

„Ich hoffe, dass wenn sie mit ihrem Krückstock steckenbleiben und stürzen, ihnen die Menschen helfen und nicht daneben stehen und ihnen sagen, dass Sie das nächste Mal besser aufpassen müssen.“

Eure Jette!



4 thoughts on “Motzmittwoch: Liebe Gesellschaft, wir haben ein Problem!”

  • Ich kann das so gut nachvollziehen. Mir ist mal so was ähnliches passiert. Julias Schnürsenkel hatte sich am Ende der Rolltreppe verheddert. Als ich hektisch auf den Notstoppknopf gedrückt hatte (was ich eigentlich schon toll fand 😏), hat sich jemand darüber aufgeregt, dass die Rolltreppe still stand. Und ich war am Zittern vor Schreck. Die nächsten Stunden habe ich damit verbracht, mir auszudenken, was ich alles hätte entgegnen sollen 😖LG Ulla
    Kommst du eigentlich zur Westfam?

    • Wow. Vor der Rolltreppe habe ich ja auch immer einen riesen Respekt. Leider ist man meist er im Nachhinein eloquent. Doof. Aber gut, dass ihr Glück im Unglück hattet. Nein, zur Westfam komme ich leider nicht. Fährst du? Jetzt weiß ich schon von einigen, die dahin fahren und ärgere mich etwas. Mpfh. Bekomme es leider nicht organisiert.

  • Vielleicht hilft Mitleid bei diesen Personen. Sie haben einfach vergessen, wie es ist kleine Kinder zu haben.
    Meistens sind es kinderlose Mitmenschen oder ältere Leute. Doofe Kommentare werden oft in letzter
    Sekunde abgegeben, wenn man selber keine Zeit mehr hat, etwas zu sagen. z.B. beim Aussteigen aus
    der Bahn…meine 3 waren etwas lauter in der Bahn (damals 7,5 und 2 Jahre alt)….ist halt schwierig sie 6 Stunden
    bei Laune zu halten.

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