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Eine Welt nur mit Kindern

Eine Welt nur mit Kindern

Die Welt, in der nur Kinder leben, ist eine bessere Welt. Sie wäre bunt, erfüllt von Lachen und wahrscheinlich wären Schokolade und Eis die Währung.

Ich habe euch neulich erzählt, dass uns keiner half, als mein Sohn mit seinem Roller stürzte und halb auf den Gleisen lag. Als ich vor ein paar Tagen etwas verträumt meinen Kindern beim Spielen zusah, ergab sich folgende Situation: Freddie (2) stolperte, fiel auf seine Knie und weinte. Melina (4), die bei ihm stand, half ihm hoch, sprach tröstende Worte. Zusammen schauten sie sich die Verletzungen an. Dann nahm sie ihn in den Arm und drückte ihn. Freddie wischte sich die Tränchen weg und sie spielten weiter.

Die Szene dauerte vielleicht eine Minute, zeigte mir aber: Kinder sind die besseren Menschen. Sie handeln meist intuitiv. Das hat zwar nicht immer Vorteile, aber sie sind frei von Vorurteilen oder dem Abwägen, welchen Nutzen sie davon haben könnten.

Kinder sehen anders

Freddie hat ein Fußballbuch. Auf einer Seite ist ein dunkelhäutiger Junge zu sehen. Doch mein Sohn sieht, dass er den Ball hat, zeigt jedes Mal auf ihn und sagt: „Das bin ich!“

Sie sind offen und neugierig. Sie trauen sich Dinge und zeigen viel Ehrgeiz. Wenn ich bedenke wie oft Melina hingefallen ist, bevor die ersten sicheren Schritte klappten – ein Erwachsener hätte nach so vielen Misserfolgen wohl schon aufgegeben.

Kurz gesagt: Sie sind authentisch.

Viele dieser Fähigkeiten gehen uns mit dem Alter verloren. Nicht allen. Und nicht alles versteht sich. Aber Kinder handeln und fühlen nach dem Prinzip „einfach machen“. Sie sind jetzt traurig? Dann weinen sie auch jetzt. Mit dem Erwachsenwerden verschiebt sich das. Leider.

Kinder fühlen

Dabei waren wir alle mal ein Kind. Doch die Erfahrungen, das Leben, die anderen Menschen zeichnen und formen uns. Auch das ist natürlich wichtig, aber nicht wenn Grundwerte wie Hilfsbereitschaft und Mitgefühl verloren gehen.

Weint Bosse (3 Monate) machen mich Freddie und Melina darauf aufmerksam. Gerne noch mit dem Hinweis „Du musst ihn stillen“. Bei Erwachsenen heißt es in ähnlichen Situationen gerne: „Ach, der beruhigt sich schon wieder. Lass ihn mal.“

In einer Welt mit Kindern würde es wohl kein Burn Out oder ähnliche stressbedingte Krankheiten geben, denn Kinder haben das Talent, die Zeit zu vergessen. Während des Spielens können sie sich so vertiefen und das Drumherum ausblenden. Sie denken nicht an das was wartet, sie denken an das was ist.

Kinder verzeihen

Streit unter Kindern ist nicht selten, jedoch schaffen sie etwas, was vielen Erwachsenen schwer fällt: Sie vertragen sich wieder. Sie vergessen, sind nicht nachtragend, nehmen ein „Entschuldigung“ an. Je älter man wird, umso schwerer fällt einem das.

Natürlich ist das durch den Alltag und die zunehmende Verantwortung so. Aber ich denke, wir können auch arbeiten gehen, uns an Regeln halten und trotzdem ein Stück Kind in uns bewahren. Einfach machen, statt erst mal abwägen und grübeln. Zeigen wie man sich fühlt, statt zu überlegen, was andere denken. Freiheit muss nämlich nicht nur räumlich definiert werden, sondern kann auch im Kopf entstehen.

Wir können nicht immer Kind sein, wollen es auch nicht. Aber wir können von ihnen lernen. Macht! Fühlt! Lebt! Lacht! Liebt!

Eure Jette



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