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Entschleunigung im Alltag – der Taube sei Dank

Entschleunigung im Alltag – der Taube sei Dank

Es ist Donnerstag und wir gehen schnellen Schrittes Richtung Straßenbahn. Bosse seufzt theatralisch im Tragetuch – mit seinen knapp zwei Monaten der passendste Kommentar zur allwöchentlichen Routine. Wir sind zu spät dran, wie immer eigentlich. Und wie immer sind wir auf dem Weg zum Kinderturnen, eigentlich.

Mit dem Verlassen der Kita muss nämlich erst einmal geklärt werden, wie Melina und Freddie dahin kommen. Wer läuft? Will Freddie in den Kinderwagen? An welcher meiner Hände läuft wer? Und nimmt auch jemand den Roller? Bei zwei Kindern und so vielen Möglichkeiten kein einfaches Unterfangen. Haben wir diese Hürde aber geschafft, kann es endlich Richtung Haltestelle gehen.

„Du Mama, hast du was zu Essen mit?“ Melina schaut mich mit ihren großen Augen erwartungsvoll an. Mist. Falsche Frage. Oder eigentlich richtige Frage, allerdings habe ich nur die falsche Antwort zu bieten. Also gehen wir einen Umweg und machen noch kurz beim Bäcker halt. Dieser kostet abhängig von der Anzahl der Kinder, die zu Fuß gehen, mal mehr mal weniger Zeit. Ich versuche einen nervösen Blick auf die Uhr zu vermeiden.

Entschleunigung dank Kind

Doch die wohl wichtigste Frage jede Woche: Werden die Fahrstühle gehen? Denn mit drei Kindern und diversen Fahrgeschäften ist das nicht unwichtig. Inzwischen ist meine Jacke geöffnet und das Halstuch schon lange in der Handtasche verstaut. Hitze.

Und dann kommt die Alltagsbremse, die Entschleunigung. „Mama, schau mal, was die Taube da macht“, ruft Melina.  Ich schaue in die Richtung ihres Fingers und sehe den Vogel in einer Pfütze sitzen. „Sie badet“, entgegne ich und halte das Gespräch für beendet. Und während ich wieder an Fahrt aufnehmen will, nickt Melina zustimmend. „Ja, Mama. Sie macht Urlaub.“

Ich muss ein Lachen unterdrücken und freue mich, dass meine große Tochter genau das mit Urlaub verbindet. Baden gehen! Und so bleibe ich kurz stehen, nehme sie in den Arm, drück ihr einen Schmatzer auf die Wange und bin dankbar. Dankbar für die kleinen Dinge, die so schnell untergehen im Alltagstrubel, die unwichtig scheinen, es aber nicht sind.

Und mal wieder kommen wir auf den letzten Drücker zum Sport, aber das macht nichts. Denn genau für diese Alltagserlebnisse sollte nie zu wenig Zeit sein.

Genießt den Tag, Eure Jette!



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