hier wird gemotzt und gel(i)ebt

Was machst du eigentlich den ganzen Tag?

Was machst du eigentlich den ganzen Tag?

Ich bin in Elternzeit, mein Sohn ist 8 Wochen alt und die beiden großen Kinder, zwei und vier, sind in der Kita. Wenn ich meinen Buchverkäufer zitieren darf: „Oh Jette, dann hast du ja jetzt viel Zeit zum Lesen!“ Äh, naja, ne eigentlich nicht. Was nach außen nach viel Freizeit aussieht, ist in Wirklichkeit lediglich die Möglichkeit Haushalt und Einkauf ohne die gesamte Kinderschar zu machen. Doch am 5. jeden Monats wird genau hingeschaut. Unter #wmdedgt (Was machst du eigentlich den ganzen Tag) wird über den Alltag gebloggt, zu lesen bei gutgebrüllt. Hier nun also mein Tag.

Der Morgen

Rechts eine Schnarchnase, links zwei Schnarchnasen. Ein Kinderknie in meinem Rücken, eine Hand in meinem Gesicht. Das ist mein Morgen und ich liebe es. Zugegeben, das Bett ist trotz 1,80 Meter Breite recht eng, aber alleine der Anblick der schlafenden Schnarchies entschädigt mich für die Nachteile des Familienbettes.

Frühstücken, drei Kinder anziehen, selber duschen und zwischendurch Rapunzel spielen – natürlich mit diversen Handtüchern und Decken, die es zu finden gibt. Und sind die Kinder erst einmal aus dem Haus Richtung Kita, beginnt das große Aufräumen und Durchsaugen.

Mittwochs habe ich jetzt immer Rückbildung. Um neun Uhr gehe ich mit Hund Herrmann noch mal eine Runde raus, auch in der Hoffnung, dass Bosse schon einschläft. Denn Rückbildung und ein schlecht gelauntes Kind vertragen sich nicht besonders gut. Und tatsächlich, er schläft schon nach wenigen Minuten ein und während ich noch eine halbe Stunde mit dem Hund unten bleibe, lese ich ein paar Seiten in meinem Buch „Das Buch der Spiegel“.

Der Kurs ist, auch weil Bosse alles verpennt, sehr anstrengend. Aber die Hebamme ist super. Sie motiviert, erklärt und korrigiert falsche Körperhaltungen.

Den Rückweg nutze ich für den Einkauf. Da Bosse bald wach wird und sich mit Hunger meldet, hole ich Hund Herrmann raus in den Hof und stille den Babysohn draußen auf der Bank in der Sonne. Herrlich. Nebenbei lese ich wieder ein paar Seiten in meinem Buch.

Das  Mittag

Der Einkauf wird ausgepackt und nun meldet sich auch mein Hunger. Ich haue ein paar Reste in die Pfanne und gebe wie immer Käse oben drauf. Viel Käse. Irgendwie schmeckt damit einfach alles gut. Bosse weiht den Spielebogen ein und ist schon nach kurzer Zeit wieder müde. Ach ja, Baby müsste man sein.

Ich nutze die Zeit und kümmere mich um das Aufräumen der Küche. Für den Nachmittag bereite ich zudem ein paar Snacks für ein späteres Picknick mit den Kindern im Hof vor.

Einen Kaffee später meldet sich auch Bosse wieder. Stillen, wickeln und dann ab in die Kita. Leider wird aus dem Picknick-Wetter schnell Badewannen-Wetter. Die Wolken färben sich grau, die ersten Nieseltropfen fallen und die Laune der Kinder passt sich an. Hilft nichts. Der Hund muss kurz gelüftet werden und so legen wir die Decke in die trockene Unterführung und naschen dort Weintrauben, Kekse und Äpfel.

Als zwei von drei Kindern weinen, beschließe ich, das Picknick nach oben zu verlegen. Und tatsächlich bessert sich die Laune. Wir spielen, schneiden Papier aus um es wieder aufzukleben und lesen Bücher. Melina und Freddie zeigen Bosse auch noch, was der Spielebogen so kann.

Der Abend

Nebenbei läuft der Geschirrspüler. Den räume ich während des Zubereiten des Abendbrotes aus. Wie das in Ruhe geht? Indem man die beiden Großen in die Badewanne steckt. Und nun wird gegessen.

Achso, lieber Buchverkäufer. Ich habe heute 43 Seiten in meinem Buch gelesen. Für dich wahrscheinlich wenig, für mich das Maximum. Dabei ist meist gar nicht mangelnde Zeit das Problem, sondern die aufkommende Müdigkeit. Denn den ganzen Tag auf den Beinen zu sein und sich um mindestens ein Kind zu kümmern, fordert Energie. Aber ich lese gerne und spiele gerne und koche gerne. Und deshalb kommt es für mich darauf an, mit wie viel Liebe ich etwas mache. Und so gibt es heute Nudeln mit Pesto zum Essen. Wenig Aufwand, aber viel Liebe dafür – für mich von den Kindern.

Lasst es euch gut gehen, Eure Jette!



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