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Motzmittwoch: Erwartet von Kindern nicht mehr als von Erwachsenen!

Motzmittwoch: Erwartet von Kindern nicht mehr als von Erwachsenen!

Was wir von unseren Kindern erwarten: alleine schlafen, nicht weinen, groß/alt genug sein, ohne Widerspruch hören.

Was wir von unserem Partner erwarten: beim Einschlafen kuscheln, über Probleme/Gefühle reden, Hilfe annehmen, eine eigene Meinung.

Merkt ihr etwas? Wir erwarten von den Kleinsten in dieser Gesellschaft oft mehr als von den Großen. Geduld, Selbstregulierung, Hörigkeit. Im Alltag gibt es immer wieder Situationen, in denen ich diese verkehrte Welt wahrnehme.

Im Tierpark beobachtete ich folgende Situation: Kind läuft, fällt hin, weint. Die Mama reagiert mit „Steh auf, ist doch nicht so schlimm“. Verändern wir die Protagonisten in dieser Situation. Ein Erwachsener läuft, fällt hin und weint. Was hätte er sich als Reaktion gewünscht? Ich behaupte,  dass er sich Hilfe beim Aufstehen wünschen würde, die Frage ob es einem gut geht, vielleicht hätte er auch getröstet werden wollen. Warum fällt es einigen bei Kindern so schwer Empathie zu zeigen? Warum entscheiden wir Großen darüber, ob etwas weh tut oder nicht?

Verzweiflung statt Nachsicht

Neulich auf dem Spielplatz: Das Kind wollte nicht rutschen, saß aber schon oben bereit. Es wolle eine Pause machen, entgegnete es auf die Nachfrage der unten sitzenden Oma, warum es alle anderen Kinder aufhalte. Trotz mehrfacher Aufforderung, an rutschen war nicht zu denken. Die Oma wurde immer verzweifelter. Forderte schon hinter im wartende Kinder auf, ihn einfach runter zu schupsen.

Haben wir ein Problem, gehen wir zu unserem Partner, reden mit ihm darüber und erwarten neben Zuhören vielleicht auch einen Tipp, eine Umarmung und Verständnis. Weint ein Kind, weil es sein Problem noch nicht gänzlich in Worte fassen kann, geben wir uns oft weniger geduldig oder verständnisvoll.

Angst vor Tyrannen

Woran liegt das? Ist es der Alltagsstress? Haben wir angst, die Kinder zu verwöhnen? Die Tyrannen von morgen heran zu erziehen?

Nicht, dass mir es immer gelingt, mit der nötigen Geduld und Feingefühl zu reagieren. Aber manchmal hilft es schon, sich die Situationen mit umgekehrten Protagonisten vorzustellen. Und so gehe ich mit meinen Kindern um, wie ich es mir auch für mich wünsche.

Es gibt diesen Spruch – Erziehung ist nicht das, was man sagt, sondern das was man vorlebt. Statt also aus Angst vor „verweichlichten“ Kindern nur verbal zu reagieren, einfach trösten, zuhören und Tränen wegwischen. Meine beruhigen sich dann viel schneller. Sie fühlen sich verstanden und ernst genommen.

Und genau darum geht es: um das Fühlen. Kinder dürfen traurig, fröhlich oder ängstlich sein. Und wir dürfen für sie da sein.

Wie seht ihr das? Eure Jette!



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