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Geburtsbericht: Lachgas und Rumpelstilzchen

Geburtsbericht: Lachgas und Rumpelstilzchen

Wer hätte gedacht, dass ich mich gerade unter der Geburt betrunken fühlen würde? Ich nicht. Aber ich hätte auch nicht gedacht, dass es tatsächlich einfach so mitten in der Nacht los geht. Meine Ungeduld, was war sie präsent.

In der Nacht von Mittwoch zu Donnerstag bin ich gegen halb zwei Uhr morgens wegen leichten Wehen aufgewacht. Das war jetzt nicht so ungewöhnlich, denn ich wehte schon knapp zwei Wochen mal mehr mal weniger vor mich hin. Aber diese waren irgendwie anders. Wehen-App an und tatsächlich, alle vier Minuten. Noch mal kurz innehalten, waren sie wirklich da? Ooooh ja. Ich also den Besten geweckt, der vor dem Fernseher auf dem Sofa eingeschlafen war, meiner Mama, die passender Weise gerade zu Besuch war, Bescheid gesagt und los ging es. Was wir nicht wussten, wir erwarteten unser Rekordbaby.

Schmerzhafte Wehen

Natürlich hatten wir das Auto lange nicht mehr so weit weg geparkt wie in dieser Nacht, aber kurz nach 2 Uhr waren wir im Krankenhaus – für alle neugierigen Berliner: Vivantes Friedrichshain.

Die Hebamme war uns sofort sympathisch, wir ihr glaube ich auch. Ab ans Ctg und nach einer halben Stunde ging es in den Kreissaal. Die Wehen wurden schmerzhafter, der Muttermund war bei 5 cm, alles schick. Kann ja nicht mehr lange dauern.

Kurzer Rückblick: Melina brauchte vom Blasensprung bis zur Geburt 1 1/2 Stunden und Freddie 2 1/2.

Der Beste und ich scherzten also rum, ich atmete brav und lief durch den Kreissaal. Hut ab vor Frauen, die unter Wehen liegen können. Aber genau das wurde mir dann zum Problem. Nach zwei weiteren Stunden, also kurz nach vier Uhr, schaute die Hebamme erneut nach dem Muttermund. Er war bei 7 cm. Puh, das war nicht gerade viel und meine Kraft ließ nach. Noch mal zwei Stunden im Stehen/Gehen plus die Presswehen?  Eine Alternative musste her.

Lachgas während der Geburt

Liegen, mit einem Stillkissen zwischen den Beinen, so das ich die Beine zusammen drücken konnte, ohne das es hinderlich für die Geburt wurde. Aber er war noch da, der Impuls bei jeder Wehe aufzustehen. Ich fragte die Hebamme nach weiteren Hilfsmitteln. Bei den anderen beiden Geburten brauchte ich keine Medikamente. Ich bin kein Gegner von PDA und Co, war aber froh als sie mir Lachgas vorschlug. Warum? Ist schnell wieder aus dem Körper raus. Ich hätte zwei Minuten nach Einnahme notfalls auch wieder dem Drang laufen zu wollen nachgehen können. Das klang toll. Schnell erzählte ich in der Wehenepause von „Call the midwife“ – daher wusste ich von der Lachgas-Anwendung, dachte aber, dass es sie gar nicht mehr geben würde. Egal.

Ich atmete ein und schwupps, ich fühlte mich wie beim berühmten Schluck Wein zu viel. Nach zehn Monaten des Nichttrinkens kein unwillkommenes Gefühl. Das Ausatmen war dann eher ein Rausschreien der Schmerzen, aber auch das tat gut. Die Schmerzen verschwinden durch das Lachgas nicht komplett, aber die Spitzen werden ein bisschen weniger schlimm.

Presswehen? Beine zusammen!

Ich wehte, ich schrie, der Muttermund war bei 9 cm, die Fruchtblase wurde auf mein Bitten hin zum Platzen gebracht und die Presswehen kamen. Dem Besten drohte ich mit lebenslangem Sexentzug und der Hebamme teilte ich den förderlichen Satz mit, dass ich jetzt genug hätte. Sie solle den Rest alleine machen … Ach ja, hallo fehlende Zurechnungsfähigkeit.

Ich gehöre zu den Frauen die intuitiv die Beine zusammen kneifen. Tut weh? Lassen wir lieber. Bei einer Geburt alles andere als sinnvoll.

Aber die Hebamme, wegen Schichtwechsel eine neue aber genauso nette, bewies Geduld und Einfühlungsvermögen, der Beste mehr als starke Nerven und die Ärztin, die mich noch von Freddies Geburt kannte (verrückt!), meinte danach nur: „Das gibt sicher Flecken bei mir.“ Ich hatte sie während der Wehen scheinbar oft als Kneifkissen genutzt. Aber sie lächelte und hinterließ kein ungutes Gefühl bei mir.

Und so erblickte Bosse um 7.15 Uhr mit 55 cm und 4210g das Licht der Welt. Er durfte gleich zu  mir und blieb da bzw beim stolzen Papa auch die nächsten Stunden.

Milestonecards: Entwicklung des Babys

Der Babysohn ist somit unser Rekordbaby – von der Größe, dem Gewicht, der Länge der Schwangerschaft (41. Schwangerschaftswoche) und die Dauer der Geburt (5 Stunden). Übrigens wurde Bosse noch beim Ultraschall im Kreissaal auf 3400 g geschätzt. Äh ja.

Aber wir sind gesund, ich habe keine Geburtsverletzungen und so kommen wir jetzt an – in ein Familienleben zu fünft.

Melina und Freddie kamen uns am Nachmittag im Krankenhaus besuchen und waren hin und weg von Bosse. Am liebsten hätte sie ihn nur ausgezogen um ihn wieder anzuziehen. Die Decke wurde gefühlt im Minutentakt gerichtet, Küsschen in Massen verteilt und das Bettchen mit größtem Stolz geschoben.

Nur eine Sache beschäftigte Melina (4 Jahre) dann doch: „Mama, Bosse müssen wir aber nicht an das Rumpelstilzchen abgeben, oder?“

Glücklich, Eure Jette!



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