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Januarbücher: Cynthia D’Aprix Sweeney, Jan Böttcher, Philipp Winkler, Bret Anthony Johnston, Elena Ferrante

Januarbücher: Cynthia D’Aprix Sweeney, Jan Böttcher, Philipp Winkler, Bret Anthony Johnston, Elena Ferrante

Am Abend, beim CTG-Schreiben, in der Bahn oder einfach zur Entspannung zwischendurch – ich greife immer wieder gerne zu Büchern. Im Januar habe ich mich folgenden Autoren gewidmet.

„Das Nest“ von Cynthia D’Aprix Sweeney

Verlag: Klett-Cotta

Seitenzahl: 410

Preis: 19,95 Euro

Handlung: Der Kampf und das liebe Erbe. Bei den Geschwistern Jack, Bea und Melody bricht er aus, als es wegen eines Unfalls von ihrem Bruder Leo ausbleiben soll. Jeder hat sich auf dieses Finanzspritze verlassen. Was also tun, wenn sie ausbleibt – mitten in der Finanzkrise?

Leseeindruck: Die Familiengeschichte hat alles was ein Buch lesenswert macht: Witz, Bösartigkeit, Liebe und Tragik – meisterhaft erzählt. Der Gesellschaftsroman spielt während der Finanzkrise und zeigt, was Familie ausmacht bzw ausmachen kann: Liebe aber auch Eifersucht und Habgier.

Ein Buch für: Jedermann zu jederzeit.

„Y“ von Jan Böttcher

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Verlag: Aufbau Verlag

Seitenzahl: 255

Preis: 19,95

Handlung: Der 16 Jahre alte Benji versteckt den Jungen Leka bei sich. Dieser ist aus dem Kosovo nach Hamburg gekommen, um seinen Vater Jakob zu finden. Doch der Spiele-Entwickler hat wenig Zeit für ihn. Ähnlich verhält es sich mit seiner Mutter Arjeta. Benjis Vater erzählt in der Ich-Form die Liebesgeschichte der Eltern von Leka. Und dies ist auch eine Geschichte über kulturelle Unterschiede, Krieg und Heimat. Benji und sein Vater werden immer mehr in die Geschichte hineingezogen, reisen sogar nach Pristina und sehen mit eigenen Augen, wie zerstört die Stadt ist. Dabei treffen sie auch auf Arjeta, die inzwischen als Aktionskünstlerin dort lebt.

Leseeindruck: Der Erzählstil ist recht sachlich, was angesichts der Liebes- und Kriegsgeschichte für mich ungewöhnlich ist. Am Anfang hat es mich nicht gestört, doch zum Ende hin, hätte ich mir mehr Emotionen gewünscht. Die Geschichte ist und bleibt aber lesenswert.

Ein Buch für: Das Buch ist keine leichte Kost. Der geschichtliche Hintergrund und die nüchterne Sprache lassen es einen auch nicht gerade verschlingen. Trotzdem ist es sehr lesenswert.

„Hool“ von Philipp Winkler

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Verlag: Aufbau Verlag

Seitenzahl: 310

Preis: 19,95

Handlung: In dem Buch geht es um die Geschichte von Heiko, einem Hooligan. Sein Lebensmittelpunkt ist immer das nächste Match – also das Treffen mit anderen Hooligangruppen. Er jobt bei seinem Onkel, der Drogern vertickt, wohnt bei Armin, der Tierkämpfe ausrichtet und trifft sich mit seinen Freunden Ulf, Kai, Jojo.

Leseeindruck: Für mich ist es eine unbekannte Welt, in die Philipp Winkler den Leser mitnimmt. Die Figuren sind traurig, das Handeln in dieser Parallelwelt befremdlich. Und doch erzeugt der Autor eine Spannung, die das Buch so lesenswert macht – trotz fehlender Identifikationspunkte. Es ist stellenweise recht brutal, durch Rückblenden kann man aber in die Vergangenheit von Heiko abtauchen und die Hauptfigur gewinnt an Tiefe.

Ein Buch für: Ein Buch für sie und ihn, nebenbei und hauptsächlich.

„Justins Heimkehr“ von Bret Anthony Johnston

Rezension "Justins Heimkehr" Bret Anthony Johnston

Verlag: C.H.Beck

Seitenzahl: 420

Preis: 21,95

Handlung: Eric und Laura passiert das, wovor sich alle Eltern fürchten – ihr Sohn Justin verschwindet mit 12 Jahren spurlos. Vier Jahre später taucht er wieder auf. Zwischen Schuldgefühlen und offenen Fragen versucht die Familie zur Normalität zurück zufinden.

Leseeindruck: Johnston hat einen spannenden Debütroman darüber geschrieben, was mit einer Familie passieren kann, wenn ein Kind entführt wird. Dabei steht nicht die Tat an sich im Mittelpunkt, sondern die Auswirkungen auf die einzelnen Familienmitglieder nach seiner Rückkehr. Psychologisches Abtauchen statt thrillerartige Beschreibungen. Die Protagonisten kommen einen dank des überzeugenden Schreibstils sehr nahe. Feingefühl macht das Buch so lesenswert.

Ein Buch für: Die meisten Werke zu diesem Thema enden an dieser Stelle, doch „Justins Heimkehr“ fängt genau da an. Wer Interesse an dem „danach“ hat, sollte zu diesem Buch greifen. Es ist überraschend unkitschig und genau deshalb ein Lesetipp von mir.

„Meine geniale Freundin“ von Elena Ferrante

Rezension: Meine geniale Freundin von Elena Ferrante

Verlag: Suhrkamp Verlag

Seitenzahl: 422

Preis: 22 Euro

Handlung: Elena und Lila könnten unterschiedlicher nicht sein und doch verbindet sie eine besondere Mädchenfreundschaft – mal mehr mal weniger intensiv. Die Geschichte beginnt in den 50er Jahren in Neapel. Die freche Lila wird schon nach wenigen Jahren von ihrem Vater aus der Schule genommen, damit sie in seiner Schusterei mitarbeiten kann. Elena hingegen darf sich weiterhin an der Schule bilden. Jedoch immer mit dem Gefühl, dass es eigentlich Lila verdient hätte. Ihre Weg trennen sich, doch die Freundschaft bleibt.

Leseeindruck: Das Buch hat alles was eine gute Telenovela braucht: Liebe, Mord, Hass, Streit und Neid. Es liest sich leicht weg. In den Medien wird es gerne als Meisterwerk betitelt. Als so grandios habe ich es jetzt nicht empfunden, aber Ferrrante hat mich mit ihrem Werk überzeugt. Und so dürfte es wenig verwundern, dass der zweite Teil bereits darauf wartet, von mir gelesen zu werden.

Ein Buch für: Das Buch erfordert durch die vielen Personen und Rückblenden ein gewisses Maß an Aufmerksamkeit. Es ist kein Buch, welches man über Wochen oder gar Monate lesen sollte. Wer aber Lust auf eine spannende Geschichte hat, die sprachlich schön zu lesen ist, wird Freude an diesem Buch haben.



3 thoughts on “Januarbücher: Cynthia D’Aprix Sweeney, Jan Böttcher, Philipp Winkler, Bret Anthony Johnston, Elena Ferrante”

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