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Bücher zum Verschenken

Bücher zum Verschenken

Momentan nehme ich mir viel Zeit zum Lesen. Liebe, Tragik, Humor – in kurz oder lang. Da die Bücher recht unterschiedlich sind und ihr vielleicht kurz vor Weihnachten noch das ein oder andere Geschenk sucht – warum also kein Buch – hier meine Kurzvorstellungen.

Für Manchmal-Leser: „Du hättest gehen sollen“ von Daniel Kehlmann

Verlag: Rowolth

Seitenzahl: 96

Preis: 15 Euro

Handlung: Die Geschichte spielt kurz vor Weihnachten in einem Dorf. Ein Ehepaar hat sich mit der kleinen Tochter Esther dort ein Ferienhaus gemietet. Sie wollen Abstand zum Alltag gewinnen. Doch das kleine Mädchen sieht Menschen, scheint verwirrt. Dorfbewohner erzählen von Fremden, die verschwunden sind.

Leseeindruck: Mit überschaubaren 96 Seiten liest sich die Erzählung schnell. Obwohl Realität und Fiktion verschwimmen, habe ich das Werk nicht als gruselig empfunden. Kehlmann überzeugt viel mehr mit einer guten Handlung. Er spielt mit Raum und Zeit und nutzt einen überzeugenden Schreibstyl. Großes darf auch klein beziehungsweise dünn sein.

Ein Buch für: Wer selten liest oder nur wenig Zeit am Stück hat, aber auf gute Lektüre nicht verzichten will, sollte zu diesem Buch greifen.

Für Romantiker: „Die Achse meiner Welt“ von Dani Atkins

Verlag: Knaur TB

Seitenzahl: 320

Preis: 9,99 Euro

Handlung: Jimmy ist seit Jahren in seine beste Freundin Rachel verliebt. Bei einem Unfall rettet er ihr das Leben, stirbt dabei aber. Für Rachel bricht eine Welt zusammen. Sie verlässt ihr Dorf und damit auch ihre Familie und Freunde. Nichts macht mehr Sinn für sie. Erst die Hochzeit einer Freundin führt sie Jahre nach dem Unfall zurück in ihre Heimat, den Ort des Geschehen. Doch es ist nicht nur eine Reise in die Vergangenheit.

Leseeindruck: Das Buch dreht sich um die Liebe, die große Liebe und den Verlust. Doch was wäre, wenn man alles noch einmal erleben und fühlen könnte? Es ist eine typische Lovestory mit einer unauffälligen Schreibart. Und doch bin ich als Leserin dran geblieben. Zum Glück, denn das Ende sollte gelesen werden.

Ein Buch für: An dem Buch dürften besonders Frauen, die romantische Geschichten bevorzugen, Freude haben.

Für Berliner:„Realitätsgewitter“ von Julia Zange

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Verlag: Aufbau

Seitenzahl: 157

Preis: 17,95 Euro

Handlung: Marla, aufgewachsen auf dem Land, zieht für ihr Studium nach Berlin. Doch statt in die Uni zu gehen bevorzugt sie die Top-Location der Hauptstadt. Sie feiert, lebt in den Tag hinein, hat viele Freunde – zumindest bei Facebook. Denn eigentlich ist sie einsam, nichts ist von Dauer, es gibt keine Tiefe in den zwischenmenschlichen Beziehungen und dann weigern sich ihre Eltern auch noch, weiter zu zahlen.

Leseeindruck: Die Protagonistin kommt einem in dem Buch nicht wirklich nahe, sie bleibt durch einen nüchternen Sprachstil auf Distanz. Doch das schadet dem Werk nicht – im Gegenteil. Genau diese Art des Schreibens verdeutlicht die Generation sehr gut: Selfies machen und hochladen statt ein gemeinschaftliches Für- und Miteinander. Keine Gefühle, keine Tiefe. Im Vordergrund stehen hippe Partys, das Dabeisein, Drogen.

Ein Buch für: An diesem Buch wird nicht jeder Lesefreude habe. Wer aber selber in den sozialen Medien unterwegs ist und/oder in Berlin wohnt, um die 30 Jahre alt ist, dürfte das Buch in einem Rutsch durch lesen.

Für Leseratten und Betroffene: „Im Rücken der Welt“ von Thomas Melle

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Verlag: Rowohlt Berlin

Seitenzahl: 352

Preis: 19,95 Euro

Handlung: Der Autor erzählt in der Ich-Form über den Verlauf und das Leid einer bipolaren Störung. Über die Abgründe, wie Freunde ihm helfen aber auch verlassen, welche Aufenthalte er wo hatte und welche Aussetzer er in den letzten Jahren durchlebte. Unklar ist, welche Stellen Realität und welche Fiktion sind. Denn der Autor leidet wirklich unter dieser Krankheit, jedoch ist das Buch als Roman erschienen.

Leseeindruck: So bedrückend die Erlebnisse sind, so wichtig sind sie auch. Durch das tagebuchartige Schreiben kann man sich gut in die Welt des Betroffenen hineinversetzen. Ein Happy End gibt es nicht, so viel sei bereits verraten. Aber Melle scheint sich frei zu schreiben und seine Worte sind so präzise, so eindrucksvoll, dass man das Buch in nur wenigen Tagen – bei mir waren es zwei – durchliest.

Ein Buch für: Leseratten sollten dieses Buch unbedingt lesen, denn Melle war damit für dein Deutschen Buchpreis nominiert. Aber auch Betroffene – egal ob Erkrankte oder Angehörige – kann dieses Werk helfen, zu verstehen.

Fürs Herz und Interessierte: „Alles  inklusive“ von Mareice Kaiser

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Verlag: S. Fischer

Seitenzahl: 288

Preis: 14,99 Euro

Handlung: Mareice und Thorben bekommen ihr erstes Kind, doch bereits kurz nach der Geburt steht fest: Greta ist behindert. Und damit beginnt der Kampf um einen Kitaplatz, der Kampf mit der Krankenkasse, der Kampf mit der Gesellschaft, der Kampf gegen Vorurteile. Die Stärke der Eltern, die Ausdauer und die Liebe überwiegen jedoch in diesem Buch. Es wird nicht gejammert, sondern aufgeklärt, erzählt. Wie steht es um die Inklusion in Deutschland?

Leseeindruck: Für mich ist es das perfekte Praxisbuch zur Theorie. Emotional aber nicht kitschig. Persönlich, aber nicht zu intim.

Ein Buch für: Eltern, die über den Tellerrand gucken wollen, werden dieses Buch verschlingen. Und natürlich alle Leser des Blogs www.kaiserinnenreich.de.

Für Eltern: „Das gewünschteste Wunschkind aller Zeiten treibt mich in den Wahnsinn: Der entspannte Weg durch die Trotzphase“ von Danielle Graf und Katja Seide

Verlag: Beltz

Seitenzahl: 288

Preis: 14,95 Euro

Handlung: Konflikte zwischen Eltern und ihren Kindern gehören zum Alltag. Das Buch beschreibt und analysiert diese. Erster Vorteil: Ohne erhobenen Zeigefinger, mit einer unaufgeregten Schreibe. Als Eltern wird man an die Hand genommen. Was steckt hinter den frechen Antworten?  Zweiter Vorteil: Es gibt konkrete Lösungsvorschläge.

Leseeindruck: Es ist ein authentisches Buch, welches auch zum Schmunzeln einlädt. Doch vor allem war ich erleichtert danach. Geteiltes Leid und so… Nicht allem liegt eine Schuld zugrunde, sondern einfach die Entwicklung. Da das Buch auf unnötige Fremdwörter verzichtet, liest es sich leicht weg und bleibt dennoch ein Ratgeber.

Ein Buch für: Eltern, Erzieher und Menschen, die Kinder verstehen wollen und Lösungen zum eigenen Wüterich zu Hause suchen.

Für unaufgeregte Leser: „Weit über das Land“ von Peter Stamm

Verlag: S. Fischer

Seitenzahl: 224

Preis: 19,99 Euro

Handlung: Von jetzt auf gleich verlässt Thomas seine Frau Astrid und zwei Kinder. Er lässt sein Leben hinter sich, zieht ohne Gepäck in die Natur. Ohne Verabschiedung, aber auch ohne Plan, so scheint es. Astrid bleibt zurück, organisiert sich neu, vermisst und sucht ihn. Stamm erzählt mal aus seiner und mal aus ihrer Perspektive, aber stets distanziert und ohne Erklärungen. Bis zum Ende kennt der Leser nicht die genauen Gründe, bleibt gar irritiert zurück. Doch das schadet dem Buch nicht.

Leseeindruck: Ein so emotionales Thema so emotionslos und dennoch lesenswert aufzuschreiben, gelingt wohl nur Peter Stamm.

Ein Buch für: Der ruhige Erzählton ist nicht für jeden Leser geeignet – ich finde ihn aber gerade für diese Geschichte grandios. Das Buch liest sich schnell, wirkt nach und ist nichts für zwischendurch.

Ich hoffe, für euch war das ein oder andere Buch dabei. Falls ja, viel Spaß beim Lesen, eure Jette!



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