hier wird gemotzt und gel(i)ebt

„Wir hauen nicht, wir machen ei“

Diesen Satz hörte Melina bereits sehr oft. Nicht, weil sie aggressiv ist, sondern weil sie, wie jedes andere Kind auch, lernen muss. Sie muss lernen mit Konflikten umzugehen, Einschränkungen und das Nein zu akzeptieren und sie muss lernen ihre körperliche Stärke einzuschätzen. Inzwischen ist sie zwei Jahre alt und wir haben keine Probleme mit „Gewalt“.

Andere Eltern andere Sitten. Denn neulich beim Spielen näherte sich ein Junge, auch ungefähr zwei Jahre alt, dem erst drei Monate alten Freddie. Ich beobachtete das ganze nur aus dem Augenwinkel, war in ein Gespräch vertieft. Bis ich das Schreien meines Kleinen hörte. Es war herzzerreißend. Er bekam keine Luft, lief blau an. Auch wenn ich es nicht gesehen habe, es war klar, dass der Junge etwas getan hat. Ich sagte jedoch nichts, suchte die Mutter – vergeblich. Kümmerte mich um meinen Babysohn.

15 Minuten später das gleiche Szenario. Dieses Mal schaute ich hin, bereit einzugreifen. Jedoch dauert es immer ein Bruchteil einer Sekunde bis man eingreifen kann und so konnte ich eine erneute Attacke nicht verhinden. Er kratzte mit der gesamten Hand, allen Fingern, über das komplette Gesicht meines Babys. Ich schimpfte, packte ihn am Arm und zog ihn zurück, hob Freddie vom Sitzsack hoch und legte ihn die restliche Zeit nicht mehr ab.

Die Reaktion der Mutter? Keine!! Lediglich ein „Erik. Das macht man nicht.“ Ich war fassunglos. Keine Entschuldiung, kein Wort der Erklärung. Und es ging noch weiter. In der folgenden Zeit musste ich Freddie bei mir auf dem Arm vor Gegenständen beschützen, die der Junge auf ihn warf. Das muss man sich mal vorstellen! Und was sagt die Mutter, nachdem ich das Gespräch gesucht habe? „Er ist doch noch so klein.“

Mir fehlen selten die Worte. Jetzt ärgere ich mich. Ich hätte mehr sagen müssen. Ich hätte von Verantwortung, Erziehung und Vorbild sprechen müssen. Ich tat es nicht. Tue es nun hier.

Ist es so schwer mit ernsten Worten zu erklären, wie böse das Verhalten ist? Hätte sie nicht zusammen mit dem Kind zu uns kommen müssen um sich zu entschuldigen und ei zu machen? So hätte ich reagiert. So habe ich in ähnlichn Situationen reagiert.

Ich bin enttäuscht. Von den Erziehungsansichten einiger Eltern, aber auch von mir. Ich hätte besser aufpassen müssen.



0 thoughts on “„Wir hauen nicht, wir machen ei“”

  • ich finde, dir kann man keinen vorwurf machen. man rechnet ja nicht damit, dass ein kind aufgrund seiner schlechten erziehung in dem alter schon so bösartig ist. und ich erlebe es auch immer wieder, wie mamas und papas sagen: das darf man nicht. ja das weiss das kind auch, dass man das nicht darf. ist dem kind aber egal, wenn keine konsequenzen erfolgen.

    ich weiss da auch echt nicht, was man da macht. ich bin oft zu sprachlos um da zu reagieren. wir hatten auch so nen fall. kumpel von jarno, immer auf jarno gehauen, teilweise mit schweren gegenständen: mama immer: das macht man nicht.
    wir ham dann den kontakt abgebrochen. aber die kinder können ja leider immer am wenigsten dafür. man müsste die eltern erstmal erziehen

      • ja die haben vielleicht ihr kind nur, weil es grad „in“ ist ein kind zu bekommen. darf man gar nicht sagen, ich weiss, aber manchmal denk ich das. völlig unfähig.

        und ja, ich fühle mich super hilflos und mag dann nur weinen :/

  • Mit einem „Das macht man nicht“ kann man in so einer Situation nicht viel erreichen. Wenn man schon weiß, dass das eigene Kind zu unvorsichtig ist, muss man halt mehr aufpassen und solches Verhalten konsequent unterbinden. Und vielleicht auch mal dabei begleiten, wie das denn so richtig geht. Denn ohne Vorbild kann ein Kind nicht wissen, wie es richtig geht.

    Ich bin inzwischen dazu übergegangen, solche Kinder zurechtzuweisen. Meist nur dann, wenn es um meine eigene Tochter geht. Habe festgestellt, dass das bei den Rabauken Eindruck macht. Klar, motz ich dann nicht rum, aber deutlich bin ich schon.

    Schade, wenn Eltern sich über das Alter ihrer Kinder aus der Verantwortung ziehen…

    LG

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