hier wird gemotzt und gel(i)ebt

Mein Leben als Mutter

Foto(25)Ich war eine Frau, die sich jeden Tag schminkte, ihre Füße gerne mit hochhackigen Schuhen bedeckte und die Nägel passend zum Outfit lackierte. Heute bin ich froh, wenn die meist flachen Schuhe annäherungsweise farblich zum Outfit, eigentlich Hose mit T-Shirt, passen. Meine Freude bestand darin, das neuste Handy zu haben, meinen neuen Mini-Laptop einzurichten und mit der Vespa quer durch die Berliner Straßen zu flitzen.

Jetzt lebe ich weniger getrieben vom Stadtspeed, eher in Annäherung an die afrikanischen Urvölker. Ich trage Freddie, statt ihn zu schieben. Ich gebe die Brust, nicht die Flasche und will den Brei selbst kochen, statt zu gekauften Gläsern zugreifen. Nennen wir es Babyspeed.

Ich entziehe mich dem Fortschritt, der mir vorher so wichtig war. Warum ist Bio und Do-it-yourself für Mütter auf einmal so wichtig?

Während der ersten Elternzeit hatte ich die Brotbackphase. Der Beste fragte daraufhin leicht besorgt, wann wir uns eine Kuh zur eigenen Milchherstellung halten würden. Gar nicht, keine Angst. Kräuter habe ich aber trotzdem gezüchtet, gehackt und eingefroren. Natürlich.

Wer mich kennt, weiß, dass Bewegung nicht zu meinen alltäglichen Lieblingsbeschäftigungen gehören. Und doch musste ein kinderfreundliches Fahrrad her – mit Kindersitz, großem Korb vorne und zwei Spiegel für den Blick nach hinten. Nun hat die Suche nach einem Fahrradanhänger für zwei Kinder begonnen.

Zur Belustigung des Bestens habe ich mir für diesen Sommer auch Birkenstocks gekauft. Ich stehe dazu. Sie tragen sich ganz wunderbar. Und doch fürchte ich auch manchmal die Zukunft. Was kommt als nächstes? Worauf verzichte ich bald?

Kennt ihr das Phänomen „Rückentwicklungen“? Was sind eure?



0 thoughts on “Mein Leben als Mutter”

  • Wie ich bereits festgestellt habe beginnt diese Umwandlung schon in der Schwangerschaft. Und das nicht nur bei mir, sondern auch bei meinem Göttergatten (der hat gerade die Brotbackphase und hätte am liebsten ein paar Schweinchen zur eigenen Fleischproduktion).

  • Das spricht mir gerade aus der Seele – der Gatte guckte schon merkwürdig, als ich sagte, neben Kinderwagen hätte ich gern noch eine Trage… Und ich kann sie so gut leiden. Für’s Stillen hab ich so gekämpft, hoffe, wir kommen jetzt ohne Flasche bis zum Ende durch… Für Brei wälze ich jetzt schon Bücher.
    Schuhe?! – vielleicht sollte ich auch mal Birkenstocks probieren, die perfekten hab ich noch nicht gefunden 🙂

  • Oh wie wahr! Den Babyspeed passe ich mich bei Nummer Zwei auch mehr an obwohl wir einen strafferen Zeitplan als bei Nummer Eins haben, oder genau deswegen? Bikenstock jetzt leider kaputt, Fahrrad zu sportlich, brauch höhere Gabel und Fahrradanhänger Corsaire für zwei! Nur kochen ist immernoch nicht meine Stärke 😉

  • Ich vergleiche Elternsein eigentlich immer mit spießig werden. Auf einmal kauft man nur noch bio und nachhaltige Produkte. Es gibt keine durchfeierten Nächte mehr, nur noch durchwachte. Zu-Bett-Rituale und feste Essenszeiten lösen die In-den-Tag-Spontanität ab. Bei manchen ist der Wandel extrem, bei manchen kaum spürbar.

    Bei mir hat sich das am meisten auf das Essverhalten ausgewirkt. Fast nur noch selbstgekochtes. Und meine Lektüre 🙂

    Aber Babyspeed find ich als Begriff auch super. Weil die Zeit mit Baby sich ganz anders anfühlt. Und „mal eben schnell“ einkaufen locker eine 2 Stunden Aktion sein kann.

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