hier wird gemotzt und gel(i)ebt

Schwanger gehen und schwanger kommen

Ich glaube, dass es vor mir keine Kollegin gab, die sich in den Mutterschutz verabschiedet hat, schwanger wieder zur Arbeit kam, um sich dann wieder in den Mutterschutz zu verabschieden. Bei mir ist es so, Mutter Natur hat es so gewollt. Unser zweites Wunschkind, wenn auch ungeplant, macht sich auf den Weg. Im Mai 2012 verabschiedete ich mich zum ersten Mal von den Kollegen, jetzt zwei Jahre später, wieder im Mai, das zweite Mal.

Doch so sehr ich mich auf den Mutterschutz und die Kennenlernzeit mit Freddie freue, es gibt Dinge, die ich schmerzlich vermissen werde.

    1. Das stille Örtchen, denn es ist wirklich still. Keine Fragen, keine Erklärungen. Selbst wenn man nicht alleine auf der Toilette ist, sind Kollegen höflich zurückhaltend. Nicht so Püppi. Da wird Spielzeug ran geschleppt, aus dem Nebenzimmer „Maaamaaaa“ gerufen oder untersucht, was da auf Toilette so vor sich geht.
    2. Das Kantinenessen, welch Luxus! Täglich habe ich hier die Auswahl zwischen mehreren frisch gekochten Gerichten, einer Salat- und Obstbar. Und jetzt? Klar kann ich kochen, mache es sogar recht gerne. Aber für mich alleine? Nein, ich werde wohl weiterhin abends mit dem Besten speisen und tagsüber in die Stulle beißen – aber nicht ohne neidisch an die Kollegen im Büro zu denken, die bei leckerstem Essen und netten Gesprächen beisammen sitzen.
    3. Dinge liegen da, wo ich sie hingelegt habe. Klar, „borgen“ sich Kollegen gerne mal einen auf dem Schreibtisch liegenden Stift aus. Aber mein Wasser steht morgens noch da, wo ich die Flasche nachmittags hingestellt habe. Genauso aufgeräumt sind meine Schubladen auch nach fünf Monaten arbeiten noch. Zu hause unvorstellbar. Noch während des Aufräumens wuselt der Wirbelsturm Püppi hinter einem her. Für sie scheint das Aufgeräumte, das Chaos zu sein. Denn noch gegensätzlicher kann unser Handeln in solchen Situationen nicht sein. Zu hause steht Suchen auf der Tagesordnung. Auf Arbeit könnte ich blind nach Dingen greifen.
    4. Die Gespräche. Ja, ich gehöre zu den Smalltalkern. Ich unterhalte mich gerne über das Wetter, die TV-Sendung vom Vorabend oder die Kinder. Ich rede sogar so gerne, dass nach einer gewissen Zeit, die nicht in das Gespräch eingebundenen Kollegen zunehmend mit Kopfhörern um mich herumsitzen. Und nun? Schweigen wenn Freddy schläft und das tägliche Rasseln und Rascheln des Babyspielzeuges. Memo an mich: Rückbildungskurs, Pekip und Stillgruppe raussuchen.
    5. Dinge, in meinem Tempo zuende bringen. Hier im Büro gibt es keinen Babyspeed. Ich muss mein Essen nicht teilen, nicht während des Hinterherlaufens runterschlingen oder gar drauf verzichten. Ich gehe auf die Toilette, wenn ich muss. Nicht wenn es gerade passt. Das einzige was ich planen muss zwecks Uhrzeit, ist mein Mittagessen. Zu hause ist der Blick auf die Uhr immer und immer wieder nötig. Schaffen wir es pünktlich in die Kita, zum Musikkurs, zur Bahn, zum Einkaufen?

Und doch wartet eine ganz wundervoller Zeit auf mich: einmalig, spannend und aufregend. Ich freue mich darauf und auf meinen Sohn, egal wie viel Spielzeug mich auf meinen Toilettengängen begleitet.

So lange werde ich den Ärzten nach auch nicht mehr warten müssen, denn er sitzt schon so tief, dass er „auf jeden Fall früher kommen wird“. Na dann lassen wir uns mal überraschen. Püppi wird am 8. Juni zwei Jahre alt, ein paar Tage dürfen gerne dazwischen liegen.



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