hier wird gemotzt und gel(i)ebt

„Nach sechs Monaten will ich mein normales Leben wieder haben“

Als zukünftige Zweifach-Mama beobachte ich mit Freude die Nervosität, die ehrenhaften Absichten und die Vorstellungen der Erstlingsmütter. So drehen sich beim allwöchentlichen Aquakugelbauch-Kurs viele Gespräche über die noch ungewisse Zukunft. Ich bin die einzige im Kurs, die bereits auf dem Boden der Realität angekommen ist. Ja, so drastisch, aber nicht wertend, möchte ich es nennen. Denn mit einem Schmunzeln im Gesicht höre ich zu und sehe mich selbst – damals vor zwei Jahren, während meiner ersten Schwangerschaft.

Der Babybrei wird natürlich selbstgekocht. Mit vier Monaten wird zugefüttert, denn ich möchte ja auch mal wieder ausgehen – ein Mal in der Woche, bitte.

Schlaflose Nächte gab es in meinen Vorstellungen nicht. Zähne? Klar die kommen, aber über das wie habe ich mir keine Gedanken gemacht. Genauso wenig darüber, dass man sein Kind nur begrenzt verplanen kann.

Kein Schnuller, keine Flasche

Püppi hat zum Beispiel nie einen Schnuller oder eine Flasche genommen. Das erschwerte die Fremdbetreuung und verkürzte anfänglich die Zeit alleine mit Papa.
Sie hat meinen selbstgekochten Brei mit einem in alle Richtungen verzerrtem Gesicht abgelehnt. Und so summieren sich die Dinge, die in der Praxis anders laufen als in der Theorie doch so schön geplant.

Das ist nicht schlimm, das ist das Leben. Das ist auch das Schöne. Und genau das bringt mich so zum Schmunzeln, wenn ich den Schwangeren nun lausche, mit etwas Abstand. Ich sage natürlich nichts. Lasse sie in dem Glauben, dass man ganz schnell einen Babysitter engagieren wird. Vielleicht wird es bei ihnen ja auch so klappen, wie gewünscht. Für mich wird das Thema Babysitter erst jetzt aktuell. Vorher wollte und konnte ich Püppi gar nicht abgeben. Meine Sehnsucht nach Abenden in der Bar war zu klein, das Tanzbein hatte gerne eine Pause eingelegt.

Was fehlt sind die entspannten Sushi-Abende mit Freunden, der Kinobesuch oder mal ein Konzert. Doch der Beste weiß zu verwöhnen, schenkt bzw überhäuft mich aktuell mit Tickets und soweit es beruflich möglich ist, schaufelt er sich einen Abend frei, damit ich ausgehen kann. Denn wenn Freddie erst da ist, kenne ich meine Prioritäten: das Kind.

Noch so klein, aber schon so einen großen Einfluss

Vielleicht ist es das, was sich viele nicht vorstellen können. Man gibt viel an Selbstbestimmung auf. Essen, schlafen, Haushalt – es sind die einfachsten Dinge des Alltags, die vom kleinsten Wesen bestimmt werden. Die Umstellung, die Wohnung nicht mehr in einem Rutsch, sondern nach und nach zu putzen, war groß. Genauso wie die Einsicht, dass man einfach nicht mehr pünktlich zu Verabredungen erscheinen kann. Das Baby ist nicht zu timen. Die Windel ist nun mal voll, wenn man schon mit einem Bein im Hausflur steht. Es muss noch mal gestillt werden, auch wenn die letzte Mahlzeit erst 1 Stunde zurückliegt.

Frischgebackene Mütter erzählen häufig vom friedlich schlafenden Kind. Die ersten Nächste sind traumhaft. Es hat die Ruhe von Papa, Opa oder Onkel Harald. Auch da reagiere ich gerne mit einem Lächeln. Es ist die anfängliche Naivität, die wohl alle Mütter heimsucht. Zum Glück. Auch Püppi schlief viel, sehr viel. Das erste Mal richtig geweint hat sie mit 11 Wochen. Ja, ich hatte Glück und lebte lange in meiner rosaroten Mamawelt. Den Satz meiner Hebamme „Das wird sich bald ändern“ wollte ich nicht hören. Darum spare auch ich ihn mir bei Schwangeren und Neueltern.

Nur eins möchte ich sagen: Genießt es! Und zwar jede Entwicklung. Genießt das Alter, in dem sie viel liegen und schlafen. Sie robben schnell genug durch die Wohnung – und ab da gilt es auf- und wegzuräumen. Genießt dann das Robben, denn noch mehr muss aufgeräumt werden, wenn sie sich erst hochziehen oder gar laufen können. Genießt das Laufen, denn das große Rennen beginnt, wenn sie sich aufs Laufrad schwingen können. Was ich sagen will: Es wird nur bedingt einfacher in der Zukunft. Die Sätze, wenn sie erst mal nicht mehr gestillt werden, wenn sie doch erst laufen können, wenn, wenn, wenn …. Diese Denke zieht sich durch die gesamte Entwicklung eines Kindes, viele Jahre.

Tipps, für die Zeit allein

Verpasst nicht die Momente im hier und jetzt. Entdeckt die Welt zusammen. Denn ein „ohne Kind“ gibt es nicht mehr. Schon während der Schwangerschaft schleppen wir die Kinder 24 Stunden am Tag mit uns rum und füttern sie. Selbst in der kinderfreien Zeit schweifen die Gedanken mal ab, ist die Handtasche mit Feuchttüchern, Schnuller oder einem Kinderbuch gefüllt.

Was aber nicht heißen soll, dass Mütter keine Zeit für sich haben. Nein, die gibt es. Zwei kleine Tipps, wie sie auch gelingt.

1. Das erste Mal ohne Kind sollte kein Kinoabend sein. Lieber ein Besuch im Café oder der Bar um die Ecke. So seid ihr im Notfall schnell wieder zu hause. Beruhigend für euch und dem Papa oder den Babysitter zu hause. Oder wollt ihr während des Films ständig aufs Handy gucken, ob ihr einen Anruf verpasst habt? Ein klingelndes Handy im Kinosaal ist ebenso wenig zu empfehlen, wie ein „Entschuldigung, kann ich mal durch“, wenn man mal schnell anrufen will, oder wirklich angerufen wird.
2. Der Friseurbesuch: Viele Mütter sehnen sich nach wenigen Wochen nach einem Friseurbesuch. Wenn ihr euch unsicher seid, ob der Papa das alleine hinbekommt oder ihr so wie wir ein absolutes Stillkind habt, nehmt die beiden mit und lasst sie in der Gegend um den Friseur Kinderwagen schieben. Natürlich nicht vor dem Ladenfenster! Oder schickt die beiden in ein nahe liegendes Kindercafe. Zwei Stunden sind schneller rum als gedacht und alleine der Gedanke, dass man schnell beim andere wäre, beruhigt.

Sollte das alles nicht so passen, versucht euch im Alltag kleine Erholungsinseln zu schaffen (geht auch mit Kind, vorzugsweise schlafend). Ein Stück Kuchen in der Sonne genießen. Das Lieblingslied mit Kopfhörern mal ganz laut hören. Mit dem Lieblingsbuch für ein paar Minuten abtauchen.

So oder so, hier oder da, alleine und zusammen, genießt die Sonne
Eure Jette



0 thoughts on “„Nach sechs Monaten will ich mein normales Leben wieder haben“”

  • Liebe Jette,
    herzlichen Glückwunsch zur zweiten Schwangerschaft! Ich wünsche euch alles Gute. Durch deinen Blog fühle ich mich zurückerinnert an die spannenden Zeiten von Schwangerschaft und den ersten Monaten mit Baby, wo wir uns öfter in der Stillgruppe getroffen haben. Ich stimme dir absolut zu, die jeweils aktuelle Entwicklungsphase des Kindes zu genießen und sich auf den Moment einzulassen. Sich jeden Tag über das freuen, was das Kind schon alles kann und nicht bedauern, was es vielleicht noch nicht kann. Nur so hat man eine Chance, sich gut an die ersten Krabbelversuche zu erinnern, wenn das Kind irgendwann auszieht. Aber bei euch zieht ja erst einmal ein zweites ein – genießt es!!

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