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„Jedes Kind kann Schlafen lernen“ – ein Verriss

"Rezension "Jedes Kind kann schlafen lernen"Was für ein furchtbares Buch. Schon über den Titel könnte ich mich aufregen. „Schlafen lernen“. Gibt es bald auch Bücher über das Laufen lernen? Meiner Meinung nach, ist es komplett an den Bedürfnissen der Kinder vorbei geschrieben.

Statt zu hinterfragen, warum das Kind nicht schläft, oder alleine schlafen kann/möchte, wird lediglich das Schreien bekämpft. Ja genau, bekämpft. Denn die Methode erinnert stark an einen Kampf.

Das Kind wird für bestimmte Minuten alleine gelassen, für bestimmte Minuten darf der Raum betreten werden – jedoch ohne das Kind auf den Arm zu nehmen. Selbst das Erbrechen wird in Kauf genommen. Bett und Kind sollen in dem Fall gesäubert werden, ohne(!) mit dem quälenden Schlafenlernen aufzuhören. Nein, als Elternteil soll man unbeirrt weitermachen. Schließlich habe das Kind mit Absicht erbrochen. Mir wurde übel, als ich das las.

Eltern, die ihre Kinder so grausam zum Schlafen bringen, bitte testet es an euch selbst. Legt euch ins Bett und ruft ganz laut um Hilfe oder nach eurem Partner. Keine Reaktion? Dann ruft noch lauter und weint jetzt zusätzlich. Nach fünf Minuten fangt ihr an, mit Beinen und Armen zu strampeln. Oh, die Tür geht auf. Euer Partner sagt, dass alles in Ordnung ist und geht nach zwei Minuten wieder – um jetzt sieben Minuten weg zu bleiben. Ihr schreit wieder, lauter, strampelt, seid wütend – wahrscheinlich grenzt es schon an Hochleistungssport.

Nicht vergessen, Sinn ist es, dass ihr einschlaft! Also weiter. Ihr seid jetzt so wütend, dass ihr sogar mit Absicht erbrecht. Und weint, und schreit. Wie ihr wollt immer noch nicht schlafen? Na dann lernt mal weiter. Nacht für Nacht, Woche um Woche.

Püppi ist auch kein besonders vorbildlicher Schläfer, ich lese mich deshalb durch diverse Bücher. Schaue, was zu uns passt. Was ich verbessern könnte. Fakt ist, die Ferber-Methode wird hier nicht angewendet.

Püppi braucht noch das Einschlafstillen, klar nervt es mich manchmal. Aber ich habe ja kein Kind bekommen, um schnellstmöglich wieder ein Leben zu führen, als wenn ich kein Kind hätte. Püppi braucht mich, braucht die körperliche Nähe. Also praktizieren wir das Familienbett und genießen es, SEHR!

Ein Buch, welches eher zu uns passt: „Besucherritze“ von Eva Solmaz. Allerdings habe ich erst knapp die Hälfte geschafft. „Schlafen statt Schreien“ wartet auch noch darauf, gelesen zu werden.

Kinder sind nicht programmierbar. Kinder sind individuell und genauso sollte man sie auch behandeln und aufwachsen lassen. Es gibt Kinder, die alleine besser schlafen, im Hellen oder doch lieber im Dunkeln. Mit Musik oder an der Brust. So oft sind wir stolz auf sie, wenn sie etwas können, wenn sie positiv anders sind, als andere Kinder. Warum nicht auch beim Thema schlafen?

Entzieht ihnen nicht die Liebe, die Nähe, die Aufmerksamkeit in Momenten, in denen sie euch am meisten brauchen. Lasst sie mit Sicherheit und der Gewissheit aufwachsen, dass ihr für die da seid. Sie wissen nicht, dass es keine Monster unter ihrem Bett gibt.

Schlaft gut, Eure Jette!



0 thoughts on “„Jedes Kind kann Schlafen lernen“ – ein Verriss”

  • Ich finde das Buch und die Methode einfach grausam!
    Doch noch schlimmer finde ich, dass es von Kinderärzten (unserer z.B.) auch noch empfohlen wird.
    Mir wird ganz anders, wenn ich mir vorstelle, welch große Ängste das Baby haben muss.
    Ich wünsche mir auch oft, dass Bambi mal besser schläft, aber hält sie mich lieber wach, als dass ich sie schreien lasse.

  • Ich werde mal die beiden von dir erwähnten Bücher lesen, nicht aber das „Jedes Kind kann schlafen lernen“. Dass da so heftige Methoden drin sind, wusste ich bisher noch gar nicht. :/ richtig übel.

        • Aaaaah, perfekt! Ich kam leider erst während der Schwangerschaft drauf, mich da anzumelden! Freu mich aber jetzt schon drauf, später auch die Kinderbibliothek mit Püppi nutzen zu können!

  • Ich halte von dem Schlaftraining auch nichts und auch wir haben uns für das Familienbett entschieden und genießen es. Die Große hat lange Zeit bei uns geschlafen und fand Schlafen immer grundsätzlich doof, die Mittlere ist eine Schlafeule, die ihr eigenes Bett immer vorgezogen hat und der Kleine schläft mehr oder weniger im Beistellbett … Oder in meinem Arm. Ich fand das Buch „Ich will bei euch schlafen“ http://www.amazon.de/bücher/dp/3783161649 gut und ein schönes Alternativprogramm zu „jedes Kind kann schlafen lernen“!

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